
„Evi und das Grünzeug“ — Eine Geschichte voller Missverständnisse. Pflanzen haben's echt nicht leicht bei mir. Zimmergrünpflanzen z.B. ... Ich hab mir schon immer die pflegeleichtesten ausgesucht. Succulenten, Kakteen, Drachenbaum, Fetthenne, eigentlich alles Zeug, das man nicht kaputtkriegen
ka sollte. Ich schaffe das problemlos ... Zu viel Wasser, zu wenig Wasser, zu viel Sonne, zu wenig Sonne, ich weiß hinterher nicht mal wirklich was ich falsch gemacht habe, wenn sie traurig ihre Blättchen hängen lassen oder matschig oder knusprig werden.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Ich hab nämlich fast nur noch Grünzeug, das man essen kann. Und siehe da, es klappt. Brunnenkresse und Rauke für Salat sprießen wie blöd. Diverse Basilikumsorten können sich nicht entscheiden, wer wem zuerst die Sonne wegwuchert, sogar Zitronengras und Vietnamesische Minze wachsen in unseren Gefilden zwar zaghaft, aber sie wachsen. Und Schnittknoblauch! Wisst ihr, wie schwierig es ist, hier ordentlichen Schnittknoblauch aufzutreiben? Der Seligmacher der chinesischen Küche hat einen ganzen halben Balkonkasten nur für sich allein und wächst wie total bekloppt. Der Schnittknoblauchjahresverbrauch in der Kyche ist gesichert!

Das tollste aber überhaupt ist die Zucchinipflanze. Ich konnte es kaum glauben, aber es hängen schon vier Zucchini dran, die auf dem besten Wege sind, für uns in einer Woche Zucchiniröllchen oder irgendwas anderes furchtbar leckeres zu werden. Nächstes Jahr wird angebaut, mindestens zwei Zucchinieimer mehr und ein Balkonkasten nur für Salatkram! Vielleicht liegt es an dem „traumhaft“ durchwachsenen Wetter, über das sich in letzter Zeit alle freuen, dass mein Balkongarten sich (für meine Verhältnisse) urwaldähnlich entwickelt, oder weil ich, wenn's um's Essen geht, tatsächlich daran denken kann die Pflanzen regelmäßig zu wässern, wenn die Sonne mal knallt. (Was mir die Zimmerpflanzen, die dann auch mal gegossen werden, übrigens sehr danken. Besondere Grüße an die Grünlilie im Bad! Der wächst sogar ein Ableger. Ein Ableger!!)

Ich glaube, ich komme da nach meiner Oma. Sobald man es essen kann, ist es wichtig genug, gegossen zu werden. Aber was wär so ein toller Balkongarten ohne Schattenseiten: Die Blattläuse haben die Brunnenkresse entdeckt und Rucola, Salbei, Thaibasilikum und Minze leiden seit zwei Wochen erbärmlichst unter Spinnmilben, oder irgend etwas anderem, was ekelhaft und winzig und blätterkaputtmachend ist. Ich bin mir noch unsicher, ob ich wirklich die chemische Keule auspacken will um der Viecherplage Herrin zu werden, aber den Spaß am Gärtnern haben sie mir schonmal ordentlich vergällt. Wegen mir hätten sie gerne bis nächstes Jahr warten können, weil so,
liebe Nata, haben sie mir mein erstes
Balkongarten-Ma(h)l ordentlich versaut.
Und bis sich die bekloppten Milben wieder eingekriegt haben, träum ich weiter von meinem ersten Balkongarten-Salat von vor ein paar Wochen. Halb Rucola, halb Brunnenkresse, direkt vom Kasten in die Schüssel geschnitten, bisschen krause Petersilie, 1 EL Olivenöl, 1 EL neutrales Öl, 1 EL guter Rotweinessig, 1/2 TL Senf, Salz, Pfeffer, Zucker, göttlich!
(Fragt mich übrigens nicht, wo der einzelne Stängel Dill herkommt. Den hab ich nicht gesät!)