Dienstag, 16. November 2010
Saucen
Bei 5 Kilo Braten ist eine opulente Soßenmenge ja nicht schwer zu erzeugen, aber bei Kurzgebratenem sieht die Sache schon wieder anders aus, zumindest ohne Fond in der Hinterhand. Und erst seit ich mit Soßenschreiern am Tisch sitze und ich diejenige bin, die für die Soße zu sorgen hat, weiß ich, was mein Vater als Soßenproduzent während meiner Kindheit durchlitten haben muss. Hallo Papa! Ich kann jetzt auch „Des muss lang!“ sagen. Aber so ganz funktioniert das leider nicht immer, gelegentlich fehlt einfach die Inspiration. Also: Ich brauch ein Soßenkochbuch.
Das war dann auch der Punkt, an dem ich dankend ein Rezensionsexemplar von Peter Auers Saucen aus dem Kosmos Verlag in Empfang genommen habe. ;)
Die Kapitel-Unterteilung ist schlüssig in Basics (Einleitung, Werkzeug, Warenkunde, Fonds, Generelles; eher für Anfänger), dunkle Saucen, helle Saucen, Saucen für Fisch, Buttersaucen, Gemüse- & Fruchtsaucen, Kalte Saucen sowie Dessertsaucen unterteilt. Zu Anfang des Kapitels werden immer die jeweiligen Fonds vorgestellt, dann Grundsaucen, Variationen und schnelle Saucen ohne Fonds und Knochengekoche. Vom Rezept-Grundaufbau her ist das Saucen-Kochbuch ähnlich dem schon besprochenen Gut gekocht!, es gibt die kleinen Küchentechnik-Erläuterungen mit Bild sowie Abwandlungen der Saucen auf der selben Seite.
Besonders ansprechend fand ich neben dem übersichtlich gestalteten Register die „Welche Sauce passt wozu?“ Seiten. Nach Fleisch, Geflügel, Wild, Fisch und Meeresfrüchten, Pasta und Reis, Gemüse und Kartoffeln sowie Salaten sind hier die verschiedenen Saucen noch einmal mit Seitenangabe aufgeführt. Prima für eine schnelle Inspiration! Selbstverständlich steht auch bei den Saucenrezepten direkt dabei, für welche Gerichte sie sich eignen. Also ein dicker Pluspunkt für die Übersichtlichkeit. Die Pannenhilfe-Seite ist zudem ganz nett, gerade auch für den Kochanfänger mit akuten „Mwaaaaah! Die Sauce ist zu bitter/salzig/scharf/dünn/dick/fett!“-Problemen.
Vielleicht noch ein Wort zum Dessert-Kapitel. Ich hätte das jetzt nicht unbedingt in einem Saucen-Kochbuch gebraucht, gerade die Dessertsaucen sind ja oft auch in Backbüchern vorhanden. Vanille-, Schoko-, Karamellsauce, Sabayon und Fruchtsaucen hätte ich mir da eher mit mehr Variationen in einem extra Dessert- und Dessertsaucen-Büchlein gewünscht, da es ja gerade der Variantenreichtum ist, der in den übrigen Saucenkapiteln hervorgehoben wird.
Meine Wahl beim ersten Kochen fiel auf eine Zitronen-Orangen-Sauce aus dem Unterabschnitt für schnelle Saucen des Fisch- und Meeresfrüchte Kapitels. Zum Fonds kochen fehlt in der Kyche momentan die Zeit, für Sahnesößchen fehlt der Wille zur Kalorieninvestition, da kam so eine fruchtig-säuerliche Sauce gerade recht. Der Rezepttext beschränkt sich bei den schnellen Saucen auf wenige Zeilen und genau so schnell ist die Sauce auch nebenbei gezaubert. Was im Rezeptangebot gefällt, ist die Kombination aus recht klassischen Saucen, wie Weisswein-Sahne und mutigeren Geschichten wie Brennnessel-Spinat-Sauce, Orangen-Salsa mit Tomaten oder Cranberry-Chutney mit Birnen. Das einzige Problem, das ich beim spontanen Soßenaussuchen hatte, war die doch teilweise recht abgefahrene Zutatenliste, zumindest wenn's schnell gehen soll. Ich bin zwar schon ein Vorratshalter sondergleichen („Kriegskind in 3. Generation“, noch dazu auf dem Dorf), aber bei frischem Zitronengras, Karottensaft, Johannisbeersaft, Estragonessig, Chiliketchup (wer braucht das?) ohne vorherigen planmäßigen Einkauf, muss ich passen.

Die Zitronen-Orangen-Sauce war Begleiter zu Knoblauch-Garnelen, Reis und gedünsteten Karotten mit schwarzem Sesam. Hat wunderbar zusammengepasst, zu Geflügel kann ich mir die Sauce auch sehr gut vorstellen.
Zitronen-Orangen-Sauce
3 EL Zucker mit 6 EL Wasser in einer Kasserolle so lange kochen, bis sich der Zucker leicht braun färbt. Mit 100 ml Zitronensaft und 200 ml Orangensaft aufgießen und einige Minuten köcheln lassen. 2-3 Spritzer Tabasco [Sriracha verwendet] zugeben. Etwas Speisestärke in kaltem Wasser anrühren und so viel davon unter den Saft rühren, bis er leicht gebunden ist. 2 EL kalte Butter untermixen, bis eine sämige Sauce entsteht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Passt gut zu Fisch (z.B. zu gebratenem Lachs), zu Langusten oder zu Jakobsmuscheln.
Demnächst sicher mehr!
Juliane - #2 - 16.11.2010 09:45 - (Antwort)
Danke für das Vorstellen dieses Buchs! Klingt sehr gut für mich, da ich soßenkochtechnisch noch ganz am Anfang stehe. Da schaue ich in der Buchhandlung mal rein!
Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane
Frau_Mahlzahn - #3 - 16.11.2010 10:58 - (Antwort)
Hmm, jetzt bin ich hin- und hergerissen -- zuerst wollte ich schon direkt in Richtung A.mazon sprinten und das Buch in meinen Einkaufswagen packen... andererseits, die Zutaten, die man nicht immer so rasch bei der Hand hat...
Aber Weihnachten kommt bald, es landet zumindest schon mal auf der Merkliste.
Danke für die Rezension!
So long,
Corinna
nesrin - #4 - 16.11.2010 14:09 - (Antwort)
Sieht lecker aus. Ich brauche auch einen solchen Kochbuch. Grüsse...
barcalex - #5 - 17.11.2010 08:55 - (Antwort)
Ich kenne das Saucenproblem nur zu gut. Hab auch schon ein paar Kochbücher zu diesem Thema besorgt, aber so richtig weiterentwickeln konnte ich mich noch nicht.
Manu - #6 - 17.11.2010 19:43 - (Antwort)
Ui...das ist ein Buch für mich.
Ich denke, ich werde es auch mal auf meinen Merkzettel schreiben. Vielen Dank für den Tipp.
LG Manu
Evi - #7 - 17.11.2010 20:57 - (Antwort)
@noemi: Bingo! :D
@Juliane: Mach das! Geht nix über Selbstinderhandhaben. ;)
@Frau_Mahlzahn: Ja, die Zutaten. Ist aber generell so, wenn man mal was "exotischeres" ausprobieren will. Ich arbeite an meiner Schnellentschlossenheit. :)
@nesrin: Ein Saucenkochbuch schadet nie!
@barcalex: Ja, um Fonds kommt man, wenn man die Kalorien im Auge behalten will, kaum rum, und die kosten Zeit und Stauraum. Aber Butter hilft halt doch auch immer. ;)
@Manu: Gerne! Am besten einfach mal reinschmökern!

















Soßen-Basis: Hummerfond!
Aufgenommen: Jan 16, 09:50